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Die Auftaktveranstaltung der Regionalen Bildungskonferenz am 12. September im Lessing-Theater in Wolfenbüttel thematisiert die Bildung der Wissensgesellschaft in Rede und Gegenrede und als Gespräch - auch mit der Historie - und will so Perspektiven und Aufgaben klären für alle, die für Bildung und Ausbildung Verantwortung tragen.
Die Workshops am 13. September in der Fachhochschule Wolfenbüttel dienen der gemeinsamen Arbeit an einzelnen Fragekomplexen aus unterschiedlichen Perspektiven. Ziel ist die Verständigung auf eine gemeinsame Abschlusserklärung.
Workshop 1: Bildung in der Lernenden Organisation - Qualität und Innovation
Wie stellen sich Bildungseinrichtungen heute schon konkret auf die benannten Herausforderungen ein, obwohl die Konsequenzen noch lange umstritten sein werden? Sich laufend verändernde Anforderung von innen und außen, von SchülerInnen und Eltern, von LehrerInnen und Schulverwaltung, von Wirtschaft und Universität erfordern einen kontinuierlichen Lern- und Erneuerungsprozess. Sich auf sich Veränderungen einstellen, die Veränderung leben, dabei gleichzeitig die Qualität der Bildungsprozesse erhalten und verbessern, erfordert verbindliche innerorganisatorische Zusammenarbeit, konkrete Vereinbarungen mit Partnern aus allen gesellschaftlichen Bereichen und eine fortlaufende Verständigung über Bildungsziele und Ausbildungsstandards.
Das BMBF hat eine Expertise über die Entwicklung nationaler Bildungsstandards erarbeiten lassen ( http://www.bmbf.de/pub/zur_entwicklung_nationaler_bildungsstandards.pdf). Diese Entwicklung wird das deutsche Schulsystem einschneidend verändern. Die GEW hat in 10 Thesen Positionen zur Schulqualität aus LehrerInnensicht vorgelegt ( http://www.gew.de/wissen/zeitschriften/e-w/2003/2003-1/s-11.htm). Kritisch mit den Schulentwichklungsplanungen setzt sich die Oldenburger Erziehungswissenschaftlerin Hanna Kiper in zwei Artikeln in der GEW-Zeitschrift "Erziehung und Wissenschaft" auseinander ( http://www.gew-nds.de/Schule_in_Nds/Markt1.pdf / http://www.gew-nds.de/Schule_in_Nds/Markt2.pdf / http://www.gew-nds.de/Schule_in_Nds/Markt3.pdf / http://www.gew-nds.de/LeereK.pdf). Natürlich betreut die Bertelsmann-Stiftung etliche Projekte zu Schulentwiicklung und Bildungsinnovation ( http://www.bertelsmann-stiftung.de/themes.cfm?lan=de&nId=818).
Laufende landesweite Programme zur Schulentwicklung sind auf dem Niedersächsischen Bildungsserver dokumentiert ( http://nibis.ni.schule.de/~spe/). Projekte in der Region findet man auf der Homepage der Bezirksregierung Braunschweig ( http://www.bezirksregierung-braunschweig.de/master/0,,C864649_N864241_L20_D0_I788,00.html). Über die aktuellen schulpolitischen Veränderungen in Niedersachsen informiert die Seite der Landesregierung http://www.mk.niedersachsen.de/master/0,,C580_N581_L20_D0_I579,00.html.
Workshop 2: Bildungs(über)gänge - Vernetzung und Kooperation
Das Konzept des Lebenslangen Lernens führt zu einer gänzlich anderen Verteilung von Lernzeiten auf die Lebenszeit - die komprimierte Bündelung der Bildung auf Kindheit, Jugend und junges Erwachsenenalter soll durchbrochen werden. Das Lebenslange Lernen ist dabei keine Ergänzung zur Erstausbildung in Schule und Beruf. Im Gegensatz zum deskriptiven Begriff der Erwachsenenbildung und zum Begriff der Weiterbildung, der das Kontinuum der Bildungsbiografie oder die Stufenfolge der Bildungsprozesse betont, geht es beim Lebenslangen Lernen um einen programmatischen Begriff, der auf eine grundlegende Veränderung des Lernverhaltens und aller Bildungseinrichtungen zielt. Angesichts der absehbar zunehmenden Probleme für Jugendliche, sich beruflich zu orientieren, wächst die Anforderung an Bildungseinrichtungen, sich durch Vernetzung eher als Knoten in einem Gesamtsystem denn als abgegrenzte, selbstgenügsame Institution zu begreifen. Arbeitsweltorientierung und Individualisierung von Curricula, Berufsbildung und Allgemeinbildung müssen sich zukünfig noch mehr ergänzen.
Projekte zur Berufsorientierung finden im Rahmen des BMBF-Programms "Schule - Wirtschaft/Arbeitsleben" statt ( http://www.swa-programm.de/). Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft hat in diesem Kontext die Projekte Transjob und Mint durchgeführt. Dabei ist unter anderem ein "Knigge" für die Zusammenarbeit von Schulen mit Betrieben entstanden ( http://www.sdw.org/SDW/SDWCMS.nsf/framesets/Start). Die Bezirksregierung Braunschweig betreut das Projekt Bezirksweiter Prozess zur Qualitätsverbesserung des Dualen Systems der Berufsausbildung (Proquaduas) http://www.tu-bs.de/schulen/bbs_wf/Presse.htm. Die Projektwebsite des DLR/PT gibt einen Überblick über die Lernenden Regionen in Deutschland ( www.Lernende-Regionen.info).
Workshop 3: Lernkultur entwickeln - Prozesse und Methoden
Lernkultur bedeutet zuallererst, das Lernen zu lernen, die Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen und das Lernen anderer zu unterstützen. Damit verändert sich das Selbstbild der Lernenden wie der Lehrenden. Unterstützungssysteme müssen neu definiert und Lernprozesse neu gestaltet werden. Lehrmethoden müssen zu selbstverantwortlichen und selbstgesteuertem Lernen anleiten und ermutigen sowie gewährleisten, dass unterschiedliche Lernbedürfnisse und Lernziele, Begabungen und Kompetenzen individuell berücksichtigt werden können. Im Sinne des "Gender Mainstreaming" ist das Ziel der Gleichstellung der Geschlechter in allen Planungs- und Entscheidungsprozessen auf dem Weg zu einer neuen Lernkultur ein immer systematisch mit zu denkendes Element.
Der deutsche Forschungsdialog , eine Initiative des BMBF, hat "Den offenen Zugang zu den Lernwelten von morgen schaffen?" als eine unter mehreren Leitvisionen formuliert ( http://www.futur.de/de/5299.htm). Szenarien "Vom Umgang mit Wissen im Jahre 2010" sind im Rahmen des BMBF-Leitprojektes Seneka ( www.seneka.de) entwickelt worden. Auf dem Niedersächsischen Bildungsserver gibt es eine Link-Liste mit "ergiebigen WWW-Quellen zum Thema lernen?"( http://www.ni.schule.de/~pohl/lernen/kurs/lernlink.htm). Das Internetportal www.schola-21.de unterstützt das Projektlernen an Schulen.
Workshop 4: Regionale Profile - Forschung und Technik
Der Bedarf an technisch und naturwissenschaftlich gut ausgebildeten Beschäftigten wächst. Obwohl es in der Region eine Vielzahl von Bildungseinrichtungen (Universitäten, Fachhochschule, Weiterbildungsträger) gibt, wird von den ansässigen Unternehmen ein Fachkräftemangel beklagt. Das zeigt einerseits, dass die Potenziale unzureichend genutzt werden, macht aber auch andererseits deutlich, dass die Region gute Chancen hat, den Bedarf an lebens- und berufsbegleitender Qualifizierung gerade auch in diesem Segment zu sichern. Die Vermittlung von technisch-naturwissenschaftlichen Kenntnissen kann aufgrund der Komplexität technischer Zusammenhänge und der Unanschaulichkeit von Berufsbildern und beruflichen Tätigkeiten nicht mehr selbstverständlich an Erfahrungen und natürlicher Neugier Jugendlicher ansetzen. Das Interesse muss durch Lernarrangements für forschendes Lernen immer neu geweckt werden und sich stärker an den Erlebnisbedürfnissen Jugendlicher orientieren.
Das Projekt Step-in von TU Braunschweig, HBK Braunschweig und FH Wolfenbüttel soll Mädchen zu den Zugang zu Technik und Naturwissenschaft erleichtern ( http://www.tu-bs.de/stepin.mm/). Das Interesse an den modernen Biowissenschaften soll das Projekt BioS stärken ( http://www.gbf.de/bio-s/). Die TU Clausthal verfolgt mit dem Projekt SuperLab ( http://www.iaac.tu-clausthal.de/SuperLab/superlab.htm) das Ziel, SchülerInnen für das Fach Chemie zu interessieren. Das Sinus-Projekt des BMBF "Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts" hat bislang gute Ergebnisse erzielt und ist im Netz zu finden unter http://blk.mat.uni-bayreuth.de/programm/konzeption.html. Im Rahmen der Arbeit des Vereins zur Förderung der beruflichen Bildung e.V. ( www.quabebi.de) wird die Lernortkooperation gefördert sowie mit dem Projekt oikos ( http://www.iub-hannover.de/FORUMA2/GEWACHSH/GEWACHSH.HTM) das Bewusstsein für nachhaltige Technikentwicklung geweckt.
Weiterführende Thesen:
"Lernen in der Region - Die Bildung der Wissensgesellschaft"
Mit der ersten regionalen Bildungskonferenz in Südostniedersachsen soll der Versuch gestartet werden, die vielen konkreten Reformprojekte in der Region in einen größeren Zusammenhang zu bringen. Dabei ist das mögliche umfassende Ganze, die sich entwickelnde Wissensgesellschaft, selbst erst in Umrissen erkennbar und in seiner Bedeutung wie Ausdeutung noch nicht klar. Deshalb gehen die regionalen Projekte tastend vor und nicht immer ist die Richtung erkennbar, d.h.: wir lernen. Mit dem FORUM Regionale Bildungskonferenz laden wir Sie ein, sich als Teil einer Lernenden Region zu verstehen und sich mit Beiträgen aus Ihrer Praxis, mit Reflexionen oder einfach mit Hinweisen auf gelungene Projekte oder Ihnen wichtige Texte zu beteiligen. Auch Fragen sind in diesem Bildungsprozess willkommen.
Mit vier einleitenden Thesen wollen wir die Diskussion eröffnen. Mit ein paar wenigen Internetverweisen ermuntern wir Sie zum Surfen.
- Bildung im globalen Standortwettbewerb
- Lebensentwürfe (immer wieder) neu begründen
- Lernen in der Wissensgesellschaft
- Regionen als Lernorte
Bildung im globalen Standortwettbewerb
Die stärkere Wissensbasierung von Industrien und Dienstleistungen führt zusammen mit der Globalisierung der Wirtschaft und neuen Formen der Arbeitsorganisation zu umfassend veränderten Anforderungen an die Qualifikation der erwerbstätigen Bevölkerung. Erforderlich sind veränderte Kompetenz- und Wissensprofile in Bezug auf Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, überfachliches Wissen, Kenntnissen in der Bedienung von programmgesteuerten Maschinen und Computern sowie in der Benutzung der entsprechenden Software. Damit geht der Lernbedarf der Erwerbstätigen in zwei Richtungen: einmal in überfachliche, kommunikative, steuernde Kenntnisse, zum anderen in Spezialkenntnisse, die immer wieder ergänzt und erneuert werden müssen. Die Informatisierung und Digitalisierung des gesellschaftlichen Wissens machen neue Erkenntnisse, Produkte und Bedarfe weltweit zugänglich und setzen die Erzeugung wie die Vermittlung von Wissen dem globalen Wettbewerb aus, auch das ist mit PISA offensichtlich geworden.
Weitere Informationen zum Thema Wissensgesellschaft finden Sie auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter www.bmbf.de. Die Delphi-Befragung 1996/ 1998 "Potentiale und Dimensionen der Wissensgesellschaft - Auswirkungen auf Bildungsprozesse und Bildungsstrukturen" ist unter http://www.bmbf.de/pub/delphi-befragung_1996_1998.pdf zugänglich. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat eine eigene Internetseite zum Thema "Wissensgesellschaft" unter http://www.wissensgesellschaft.org/. Von den unzähligen Einzelbeiträgen nennen wir zwei, von Horst Siebert auf dem Internet Portal change X unter http://www.changex.de/d_a00931.html
sowie von Alfred Grosser in der Zeitschrift des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) unter http://www.die-bonn.de/zeitschrift/12001/gespraech.htm.
Lebensentwürfe (immer wieder) neu begründen
Es zeigt sich, dass die Zeit der "Lebensberufe" vorbei ist - die beruflichen Biografien sind von einem häufigen Wechsel gekennzeichnet. Jährlich werden 31 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse neu vereinbart. Bereits drei Jahre nach Abschluss der Berufsausbildung arbeiten je nach Branche zwischen 21 und 68 Prozent der Erwerbstätigen nicht mehr in ihrem Ausbildungsberuf. War früher der Wechsel, die Diskontinuität lediglich für die Biografien erwerbstätiger Frauen charakteristisch, so ist er heute ein Merkmal fast aller Gruppen von Erwerbstätigen. Der Wechsel ist das einzig konstante. Nur wenn es gelingt, allen Individuen Möglichkeiten zum ständigen Neu- und Weiterlernen anzubieten, können sie die komplexer werdende Gesellschaft mitgestalten, andernfalls wird sich der gegenwärtige Zustand des Bildungssystems fortsetzen, durch den ein großer Teil der Jugendlichen unzureichend auf ein eigenständiges Leben vorbereitet wird.
In der Themenbox der Hans-Böckler-Stiftung sind weitere Informationen zugänglich unter http://www.box2.boeckler-boxen.de/. Für Jugendliche gibt es die DGB-Lernwelt zur Berufswahlorientierung www.workshop-zukunft.de.
Lernen in der Wissensgesellschaft
Die Veränderungen der Gesellschaft erfordern eine Umorientierung in der Bildungspolitik. Der Selbstgestaltung der Bildungsbiografie soll eine größere Bedeutung zukommen. So soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass der oder die Einzelne zunehmend in wechselnden "Beruflichkeiten" oder Tätigkeiten den Sinn seiner oder ihrer Biografie selbst stiften muss. Die Bildungsprozesse, Curricula, Maßnahmekonzeptionen etc. sollen nicht auf ein schnell ökonomisierbares, auf technisches und berufliches Fachwissen allein reduziert werden. Ein ökonomisch verkürzter Begriff "lebenslangen Lernens" als Anpassung der Qualifikationen an betriebliche, beruflich-technische Anforderungen greift zu kurz, so notwendig gleichwohl zukünftig die häufige, kurzfristige Aneignung von beruflich-fachlichen Spezialwissen sein wird. Die beruflichen Anforderungen und notwendigen Qualifizierungen in den Berufen und Erwerbstätigkeiten verlangen aber immer stärker allgemeinere - kommunikative, planende und organisatorische - Kenntnisse. Die Differenzen zwischen beruflicher und allgemeiner Bildung verwischen in diesem Prozess immer mehr, weil in der beruflichen Billdung zunehmend übergreifende Kompetenzen und Kenntnisse gefordert werden.
Der Baden-Württembergische Handwerkstag hat in einer PISA-Studie eine vielbeachtete Position formuliert, zugänglich unter http://www.handwerk-bw.de/upload/dnload/P/Pisa-StudieEndfassung.pdf. Auch McKinsey Deutschland hat eine gründliche Studie zum deutschen Bildungssystem erarbeit, Informationen dazu unter www.mckinsey-bildet.de.
Regionen als Lernorte
Der Bildungsrat beim Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen hat in der vergangenen Legislaturperiode von 1999 bis 2002 sieben konkrete Empfehlungen ( http://www.stk.niedersachsen.de/master/0,,C32239_N14749_L20_D0_I484,00.html) zu bildungspolitischen Zielen, Inhalten und Organisationsformen erarbeitet und Konsequenzen für politisches und staatliches Handeln aufgezeigt. In der zweiten Empfehlung heißt es unter anderem:
"Infolge des Wettbewerbs der Regionen und der Notwendigkeit auch regional ausdifferenzierter Bildungsangebote muss sich die Bildungspolitik ebenfalls dem Regionalisierungsprozess stellen. Das gilt nicht nur für die öffentlich verantworteten Bildungsangebote etwa der Schulen und Hochschulen, sondern bedeutet ebenso die Initiierung von Prozessen, die zu einer Optimierung auch außerhalb des staatlichen Bildungswesens führen. Bildung hat überdies ein Eigeninteresse an Regionalisierung. Nicht nur auf Grund vielfach erhobener bildungspolitischer Forderungen nach Öffnung der Schule und Hochschule für ihre gesellschaftliche und ökonomische Umwelt und deren Probleme, sondern auch durch die Tatsache, dass die Umwelt außerhalb der öffentlichen und privaten Bildungsinstitutionen selbst bildend wirkt, werden Regionen zu Lernorten. Dieses wird umso deutlicher, je mehr man das Lernen selbst auf seine Chancen in der Region befragt. Vollzieht es sich doch keineswegs allein in Bildungsinstitutionen und angeleitet von ihnen, sondern eben auch und in Zukunft zunehmend außerhalb, und zwar selbst organisiert und selbst gesteuert. In den Bildungsinstitutionen, besonders in den Schulen, sind erhebliche Anstrengungen nötig, um unter dem Leitgedanken des lebenslangen Lernens die Selbststeuerung durch die Lernenden zu fördern."






